6. August 2026 • 4 Min. Lesezeit
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat den Leitzins auch an ihrer Lagebeurteilung vom 18. Juni 2026 unverändert bei 0 Prozent belassen — bereits zum vierten Mal in Folge. Für den Schweizer Immobilienmarkt ist das keine Randnotiz: Tiefe Zinsen, ein knappes Angebot und eine nach wie vor hohe Nachfrage prägen 2026 gemeinsam die Preisentwicklung. Wer aktuell eine Liegenschaft kaufen oder verkaufen möchte, sollte verstehen, wie diese Faktoren zusammenspielen.
Der Entscheid der SNB im Detail
Die SNB begründet ihren Kurs mit einer Inflation, die weiterhin im Bereich der Preisstabilität liegt. Zwar ist die Teuerung von 0,1 Prozent im Februar auf 0,6 Prozent im Mai 2026 gestiegen, dies jedoch primär wegen höherer Energiepreise — die Kerninflation ohne Energie blieb verhalten. Die Nationalbank geht für das Gesamtjahr 2026 von einer Inflation von rund 0,5 bis 0,6 Prozent aus und sieht daher keinen Handlungsbedarf für eine Zinserhöhung. Gleichzeitig bleibt die Bereitschaft der SNB erhöht, am Devisenmarkt einzugreifen, um eine zu starke Frankenaufwertung angesichts geopolitischer Unsicherheiten zu verhindern.
Für die Schweizer Wirtschaft rechnet die Nationalbank 2026 mit einem Wachstum von rund 1 Prozent, für 2027 mit etwa 1,5 Prozent.
Was das für Käuferinnen und Käufer bedeutet
Ein Leitzins von 0 Prozent hält auch die Hypothekarzinsen auf einem historisch tiefen Niveau. Das senkt die laufenden Finanzierungskosten für Wohneigentum spürbar und verbessert die Tragbarkeitsrechnung vieler Haushalte. Gleichzeitig gilt: Die Vergabepraxis der Banken bleibt streng. Tragbarkeit wird weiterhin mit einem kalkulatorischen Zinssatz von in der Regel 5 Prozent berechnet, um Käuferinnen und Käufer auch bei einer künftigen Zinswende abzusichern. Wer eine Finanzierung plant, sollte also nicht nur die aktuell tiefen Zinsen im Blick haben, sondern auch die eigene finanzielle Resilienz für den Fall steigender Zinsen in einigen Jahren.
Für Kaufinteressierte bedeutet das Umfeld ausserdem: Attraktive Objekte in gefragten Regionen sind oft innerhalb weniger Tage vergeben. Eine gute Vorbereitung — geprüfte Finanzierung, vollständige Unterlagen, klare Preisvorstellung — ist wichtiger denn je, um in einem Markt mit begrenztem Angebot den Zuschlag zu erhalten.
Was das für Verkäuferinnen und Verkäufer bedeutet
Aus Verkäufersicht ist die Ausgangslage 2026 günstig. Tiefe Zinsen und ein anhaltender Nachfrageüberhang stützen die Preise für Wohneigentum weiterhin. Laut dem IAZI-Immobilienpreisindex ist die Zahlungsbereitschaft für Wohneigentum im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorquartal um 0,8 Prozent gestiegen, bei Eigentumswohnungen sogar um 1,3 Prozent. Auch der Markt für Renditeliegenschaften gewinnt spürbar an Dynamik: Die Unsicherheit an den Finanzmärkten lenkt zusätzliches Kapital in Immobilieninvestitionen.
Gleichzeitig kühlt sich das Preiswachstum gegenüber den Vorjahren tendenziell etwas ab. Verschiedene Marktbeobachter rechnen für 2026 mit einer moderateren, aber weiterhin positiven Preisentwicklung von rund 2,5 bis 3 Prozent bei Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern. Für Verkäufer heisst das: Das Fenster für hohe Preise ist weiterhin offen, aber der Markt differenziert zunehmend nach Lage und Objektqualität. Eine realistische, marktgerechte Preisfindung — etwa durch einen transparenten Bieterprozess — gewinnt dadurch an Bedeutung.
Vorsicht bei der langfristigen Planung
So attraktiv das aktuelle Umfeld ist: Experten mahnen zur Vorsicht bei einer möglichen künftigen Zinswende. Wer heute eine Hypothek aufnimmt, sollte prüfen, wie stabil die eigene Finanzierung auch bei steigenden Zinsen bleibt. Auch die geopolitische Lage — etwa die Situation im Nahen Osten und ihre Auswirkungen auf Energiepreise und Frankenkurs — kann die Prognosen der SNB kurzfristig verändern. Wer eine Immobilie kauft oder verkauft, sollte diese Faktoren in die eigene Finanz- und Zeitplanung einbeziehen, statt sich allein auf die aktuell tiefen Zinsen zu verlassen.
Fazit
Das Nullzinsumfeld bleibt 2026 einer der wichtigsten Treiber des Schweizer Immobilienmarkts: Es macht Wohneigentum für Käuferinnen und Käufer erschwinglicher und stützt gleichzeitig die Preise für Verkäuferinnen und Verkäufer. Wer eine Immobilie verkaufen möchte, profitiert aktuell von einer soliden Nachfrage — vorausgesetzt, der Verkaufsprozess ist professionell und transparent aufgesetzt, damit sich der tatsächliche Marktwert im Verkaufspreis widerspiegelt.
Häufige Fragen zu diesem Thema